Futtermittel

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Silierung

Üblicherweise findet bei der Silierung z. B. von Mais oder Gras eine Kaltvergärung bei Temperaturen unter 30 °C statt, Pressschnitzel silieren dagegen durch "Heißvergärung".
Die Rübenschnitzel werden in der Zuckerfabrik bei einer Temperatur von etwa 70 °C entzuckert. Die Pressschnitzel verlassen die Schnitzelpressen in heißem Zustand und werden mit Temperaturen von über 50 °C verladen. Eine optimale Konservierung wird mit möglichst hohen Temperaturen bei der Einsilierung erreicht.
Die Abkühlung beim Transport und auch bei einer Zwischenlagerung von 24 Stunden ist relativ gering. Eine unverzügliche Silierung - möglichst ohne Zwischenlagerung - ist dennoch anzustreben, da die mikrobielle Aktivität in den warmen Schnitzeln zu Nährstoffverlusten führen kann.
Bei sorgfältiger Silierung können Pressschnitzel sehr verlustarm siliert werden.
Pressschnitzel haben auf Grund ihrer Zusammensetzung ein sehr ausgeprägtes Wasserbindevermögen. Dadurch tritt beim Transport kein Wasser aus und bei den Silagen entfällt die Sickersaftbildung. Dies trägt zur Minimierung von Silierverlusten bei.

Hinweise zur Silierung

Die Erzeugung einer qualitativ hochwertigen Pressschnitzelsilage erfordert eine große Sorgfalt aller Beteiligten. Die Südzucker AG garantiert als Hersteller zwar die Produktqualität ab Werk, zum Gelingen der Silage tragen anschließend aber auch der Transporteur, ggf. der Lohnunternehmer und vor allem der silierende landwirtschaftliche Betrieb selbst bei.
Die nachfolgenden Hinweise sind eine wichtige Grundlage für die Erzeugung einer hochwertigen Pressschnitzelsilage.
  • Berücksichtigen Sie bei Planung der Pressschnitzelsilierung die Silogröße (tägl. Entnahmemenge, Vorschub im Silo) und den Lagerplatz (Befestigung, Sauberkeit, Öffnungsrichtung Wind abgewandt).
  • Silieren Sie die Pressschnitzel in warmem Zustand ein.
  • Achten Sie sowohl beim Transport als auch bei der Silierung auf Sauberkeit. Einträge von Schmutz und damit von Schaderregern gefährden die Stabilität der Silage.
  • Vermeiden Sie eine Zwischenlagerung der Pressschnitzel. Ist eine Zwischenlagerung unvermeidbar, muss die betreffende Fläche gereinigt und möglichst auch desinfiziert sein.
  • Befüllen Sie das Silo zügig.
  • Achten Sie auf eine gute Verdichtung und sorgfältige Abdeckung der Silage.
  • Kontrollieren Sie das geschlossene Silo regelmäßig auf Beschädigungen und nehmen Sie bei Bedarf Ausbesserungen an der Folie vor.
  • Gewährleisten Sie eine ausreichende Silierdauer zur notwendigen Abkühlung (mindestens 6 Wochen).
  • Stellen Sie einen ausreichenden Vorschub (0,2 m/d im Winter und 0,4 m/d im Sommer) bei der Entnahme sicher.

Mischsilierung

Pressschnitzel eignen sich hervorragend zur Mischsilierung mit Mais oder Rübenkleinteilen.
Die Mischung mit Silomais ist z. B. im Volumenverhältnis 1:2 möglich, hier ist allerdings der Rationsanteil der Futter­mittel entscheidend. Die verschiedenen Komponenten können entweder in Schichten aufgebracht oder ver­mischt werden.
Foto Pfeifer & Langen, Euskirchen
Das Auflegen einer Schicht Rübenkleinteile vor dem Abplanen der Pressschnitzel-Miete mit einer Folie hat sich bewährt. Die Rübenkleinteile sorgen für einen ersten Sauerstoffabschluss und eine ausrei­chende Beschwerung des Siliergutes. Im silierten Zustand wirken sie positiv auf die Futteraufnahme. Zudem werden die Silierverluste weiter minimiert.

Silierung im Fahrsilo

Wichtige Voraussetzung für eine optimale Silierung im Fahrsilo ist eine schnelle Befüllung und sorgfältige Verdichtung (Festfahren, Anwalzen).
Die Silostockhöhe sollte maximal 2 m betragen, um eine ausreichende und gleichmäßige Abkühlung zu erzielen.
Bewährt hat sich das Unterlegen von Silofolie, ausgehend von der Mitte des Fahrsilos über die beiden Seitenwände (um den Wassereintritt von den Seiten zu verhindern!). Nach dem Befüllen und Festfahren wird die Folie zur Mitte hin umgeschlagen und mit einer weiteren Folie abschließend zugedeckt.
Der Luftabschluss sollte unverzüglich und sorgfältig erfolgen. Bewährt hat sich eine dünne Unterziehfolie (z. B. Baumarkt) unter einer luftdichten, UV-beständigen Silofolie.
Diese ist anschließend zu beschweren, um ein Eindringen von Luft und Wasser zu verhindern. Eine alleinige Abdeckung mit Reifen ist nicht ausreichend! Die Reifen liegen nicht eng genug auf dem Siliergut, wodurch Luft in die gesamte Miete eindringen kann. Dagegen sind größere Mengen Sand, Erde oder gefüllte Sandsäcke gut zur Beschwerung geeignet.

Silierung im Folienschlauch

Mittels einer Schlauchpresse werden die frischen Pressschnitzel in Folienschläuche gepresst, die variable Durchmesser und Schlauchlängen haben.

Vorteile der Schlauchsilierung

  • Minimierung von Energie- und Trockenmasseverlusten durch sofortigen Luftabschluss und gleichmäßige Verdichtung
  • Verringerung des Nachgärrisikos durch kleine Anschnittflächen
  • Flexibilität bei der Lagerortauswahl.
Der Schlauchdurchmesser ist entscheidend für den Vorschub im Silo: bei einem Durchmesser von 1,90 m werden je laufendem Meter ca. 2,5 t; bei 3 m Durchmesser ca. 5 t Pressschnitzel gelagert. Je nach Bestandsgröße, täglicher Entnahmemenge und Silovorschub können Sie aus verschiedenen Schlauchgrößen auswählen:
Die unten angefügte Tabelle gibt Hinweise zu Schlauchdurchmesser, Lagermenge von Pressschnitzelsilage, sowie der jeweils erforderlichen Tierzahl, um in der Sommer- bzw. Winterfütterung den ausreichenden Vorschub im Siloschlauch zu realisieren. Die Schlauchlängen sind dabei weitgehend variabel.
ø
(Zoll)  
Schlauch-
größe  
t/Schlauch  t/lfd. m  Anzahl Milchkühe 1)
   
         Winter  Sommer  
6,5'  1,95 x 60 m  110  2,0  50  100  
8'  2,40 x 45 m  140  3,5  175  350  
9'  2,70 x 45 m  165  4,1  205  410  
10'  3,00 x 45 m  200  5,0  250  500  
1) Mindestanzahl Milchkühe (10 kg Pressschnitzel je Kuh und Tag) zum Erreichen von 0,2 m Vorschub je Tag (Winter) und 0,4 m Vorschub je Tag (Sommer)
Der obigen Berechnung liegt eine Pressschnitzelmenge von 10 kg je Tier und Tag zu Grunde. Bei höheren Rationsanteilen verringert sich die notwendige Tierzahl entsprechend.

Pressschnitzel im Siloballen

Die Silierung von Pressschnitzeln in Rundballen als kleinste "Verpackungseinheit" ist ebenfalls möglich.
Foto: Pfeifer & Langen, Euskirchen
Die Siloballen haben ein Gewicht von ca. 1,2 t und sind vor allem für kleine Bestände und kleine Abnahmemengen geeignet. Sie sind einfach zu lagern und zu handhaben. Verglichen mit den Verfahren der Schlauch- und Horizontalsilierung liegt die Pressdichte höher (je nach Trockenmasse bei ca. 1 t/m³), was sich positiv auf die Lager­eigenschaften auswirkt. Zudem kühlen die Pressschnitzel im Siloballen deutlich schneller ab.
Während im Horizontalsilo oder im Schlauch silierte Pressschnitzel frühestens nach 6 Wochen verfüttert werden können, ist bei den Ballen eine Öffnung bereits nach etwa zwei Wochen möglich. Das Verfahren ist zwar als relativ teuer zu bewerten, liefert aber bei sachgerechtem Umgang und regelmäßiger Kontrolle der Siloballen auf Beschädigungen eine nahezu verlustfrei konservierte Pressschnitzelsilage.

Qualitätssicherung bei Silierverlauf und Entnahme

Jedes Silo bedarf eines fortlaufenden "Managements". Dazu ist es erforderlich, die Abdeckfolie oder den Folienschlauch regelmäßig auf Beschädigungen zu kontrollieren und gegebenenfalls Ausbesserungen vorzunehmen. Sinnvoll ist, das Silo mit Vogelschutznetzen oder -gittern gegen Schäden (z. B. durch Vögel oder Hagelschlag) zu schützen.

Öffnung und Entnahme

Bei Pressschnitzeln sollte die Öffnung frühestens nach sechs Wochen, besser erst nach zwei Monaten, erfolgen. Damit wird eine ausreichende Abkühlung der Pressschnitzelsilage (etwa auf Außentemperaturniveau) gewährleistet. Bei vorzeitiger Öffnung des Silos weist vor allem der Kern noch erhöhte Temperaturen auf. Hefen und Schimmelpilze finden dann optimale Bedingungen vor und bewirken einen aeroben Verderb der Silage.
Vergleichsweise hohe Außentemperaturen im Verlauf der Silierung können die Abkühlung verzögern. Wenn Unsicherheiten zur tatsächlichen Abkühlung beste­hen, sollte eine Temperaturmessung per Einstichthermometer in Betracht gezo­gen werden.
Folgende Maßnahmen sind für die Qualitätserhaltung wesentlich:
  • ausreichender Vorschub (Winter > 0,2 m/Tag; Sommer > 0,4 m/Tag)
  • glatte, senkrechte Anschnittsfläche
  • keine Auflockerung des Futterstockes
  • Entfernen von Futterresten

Qualitätssicherung bei Silierung in Schläuchen

Foto: BAG Budissa Agroservice GmbH
Die Schlauchsilierung von Pressschnitzeln gewährleistet bei ordnungsgemäßer Anwen­dung einen schnellen Luftabschluss, eine ausreichende Verdichtung und damit einen schnellen, verlustarmen Gärverlauf für qualitativ hochwertige Silagen.
Zur Sicherung der Nährstoff- und Gärqualität der Pressschnitzel ist es jedoch wichtig, folgende Hinweise zu beachten:
  • Der Siloschlauch sollte in regelmäßigen Abständen (einmal pro Woche) auf Beschädigungen kontrolliert und gegebenenfalls repariert werden. Beschädigungen können durch Vögel, Katzen, Nager und durch den Menschen selbst verursacht werden. Eintretende Luft und Regenwasser können innerhalb kurzer Zeit zu Fehlgärungen und Fäulnisprozessen in erheblichem Umfang führen. Schäden durch Vögel kann durch die Abdeckung mit Vogelschutznetzen vorgebeugt werden.
  • Die laufende Kontrolle des Siloschlauches und der Zeitpunkt der Öffnung sollte dokumentiert werden.
  • Wenn der Gärgasdruck nachlässt, sollte nach zwei Tagen das Ventil geschlossen werden. Unter Umständen ist das Ventil bei längerer Gasbildung nochmals kurzzeitig zu öffnen, um eine Selbstöffnung bzw. ein Aufplatzen des Schlauches zu verhindern. Gegebenenfalls ist ein leichter Überdruck zuzulassen, da ansonsten der Schlauch beginnen kann, über das Ventil Luft zu ziehen.
  • Die Öffnung sollte frühestens nach sechs Wochen, bei warmer Herbstwitterung besser erst nach zwei Monaten, geöffnet werden. Damit wird eine ausreichende Abkühlung vor der Öffnung gewährleistet.
  • Den Schlauch möglichst auf der Seite öffnen, die dem vorherrschenden Wind abgewandt ist.
  • Das Aufschneiden der Folie muss an der Seite (etwa in Kniehöhe) erfolgen, danach den Schnitt über die Mitte auf die andere Seite nach unten führen. (siehe Skizze). Auf dem Untergrund genügend Folie für eine saubere Entnahme liegen lassen (U-Form).
  • Das Anpressen der Folie - möglichst unmittelbar hinter dem Anschnitt mit Hilfe eines Seiles, an dessen Enden Reifen, Sandsäcke oder mit Wasser gefüllte Kanister befestigt sind - ist sinnvoll, um ein Aufpumpen des Schlauches und ein Einpressen der Luft in den Silostock zu vermeiden.
  • Der Verbrauch sollte so hoch sein, dass ein ausreichender Vorschub gewährleistet wird. Der Anschnitt sollte glatt sein und senkrecht verlaufen. Nach der Entnahme darf kein aufgelockertes Futter zurückbleiben. Überhängende Folie kann ein Mikroklima verursachen und ist zu vermeiden. Eher ist ein Abtrocknen bzw. Nassregnen der Oberfläche zu gestatten.
  • Ein Durchfrieren kann verhindert werden, wenn vor längeren Frostperioden ein Teil des Schlauches mit Strohballen eingepackt wird. Gefrorenes Futter kann bei Verzehr zu Durchfällen führen.

Stabilität der Pressschnitzelsilage

Eine optimale Silierung sichert die Qualität und Stabilität der Pressschnitzelsilagen. Das Risiko einer Nacherwärmung betrifft alle Arten von Silagen und damit auch die Pressschnitzel.

Nacherwärmung

Die Nacherwärmung wird durch Schimmelpilze und Hefen verursacht. Diese Mikroorganismen überleben im Silo auch bei tiefen pH-Werten (< 4) und Luftabschluss.
Tritt nach dem Öffnen des Silos Sauerstoff in den Futterstock ein, werden sie wieder aktiv und beginnen mit der Vermehrung. Da ihre Aktivität temperaturabhängig ist, finden sie insbesondere bei hohen Außentemperaturen optimale Bedingungen vor. Hefen verstoffwechseln Restzucker und die Milchsäure, wobei Wärme entsteht. Durch den Abbau von Milchsäure steigt der pH-Wert an, wodurch Schimmelpilze bestmögliche Entwicklungsmöglichkeiten erhalten. Die Temperatur in der Silage steigt deutlich an.
Die Verluste bei einer Nacherwärmung sind enorm. Neben Nährstoffen und Energie geht auch Trockenmasse verloren. Der Energiegehalt bei Nacherwärmung sinkt pro Tag um mindestens 0,1 MJ NEL / kg TM. Außerdem treten hohe Masseverluste (bis zu 3,5 % TM pro Tag) auf.
Pressschnitzelsilagen haben im Vergleich zu z.B. Maissilagen nur einen relativ geringen Milchsäure- und damit auch Gesamtsäuregehalt. Maissilagen enthalten bis zu 2,5 % Milchsäure, bei guten Pressschnitzelsilagen liegen die Werte bei ca. 0,85 %. Dennoch reichen diese Milchsäuregehalte aus, um die Silage bei pH-Werten unter 4,0 zu stabilisieren.
Diese pH-Wert-Absenkung ist zwar bereits innerhalb der ersten 10 Tage erreicht, im weiteren Lagerverlauf bildet sich aber auch weiterhin Milchsäure, die einen wesentlichen Effekt auf die aerobe Stabilität hat.
Das Risiko der Nacherwärmung von Pressschnitzeln lässt sich durch gezielte Maßnahmen deutlich verringern. Die größte Bedeutung hat aber die Erzeugung einer stabilen Silage. Mit der sorgfältigen Silierung der Pressschnitzel sichern Sie sich eine wichtige und hochwertige Futtergrundlage!

Lagerungszeit

Die Lagerungszeit hat einen wichtigen Einfluss auf die Stabilität der Pressschnitzelsilage und ist im Zusammenhang mit dem Temperaturverlauf in der Silage zu sehen. Pressschnitzel werden mit Temperaturen von 40 bis 50 ° C einsiliert und im Lagerverlauf findet eine langsame, stetige Abkühlung (etwa 1 ° C je Tag bis auf Umgebungstemperaturniveau) statt.
Die Abkühlung verläuft dabei im Silo nicht einheitlich. Während die oberen oder seitlichen Randschichten auf Grund der geringeren Verdichtung relativ schnell abkühlen, bleibt die Temperatur in den Zonen hoher Verdichtung, also im Kern, länger auf höherem Niveau.
Die Temperatur in der Silage hat eine besondere Bedeutung für die aerobe Stabilität nach der Öffnung. Bei Luftzutritt und Temperaturen von über 8 ° C kommt es in jeder Silage zu einer massiven Erhöhung der mikrobiellen Aktivität. Hefen bauen dann Restzucker und Milchsäure zu CO2, Wasser und thermischer Energie ab. Mit dem Abbau der Säure steigt der pH-Wert in der Silage ebenso wie die Temperatur und der Wassergehalt, womit Schimmelbildner und Fäulniserreger optimale Bedingungen vorfinden und damit ein beschleunigter Verderb stattfinden kann. Je höher die Temperatur in der Silage auf Grund von "Restwärme" ist, desto schneller können diese Prozesse stattfinden.
Bei vorzeitiger Öffnung des Silos weist vor allem der Kern erhöhte Temperaturen auf. Die möglichen Folgen einer unzureichenden Abkühlung sind bereits im obigen Text beschrieben. Zur Verdeutlichung dient die untenstehende Aufnahme eines Pressschnitzelschlauches:
Foto: BAG Budissa Agroservice GmbH
Dieser weist auch 49 Tage nach der Silierung bei Außentemperaturen unterhalb von 0 ° C noch Kerntemperaturen von über 15 ° C auf.
Durch die vorzeitige Öffnung finden die Mikroorganismen beste Bedingen für aerobe Umsetzungen vor - der erste Schritt zum Verderb!

Silierzusätze

Pressschnitzel silieren bei Beachtung der bereits aufgezeigten Grundsätze problemlos. Aktuelle Ergebnisse eines praxisnahen Silierversuches mit Folienschläuchen (Weber, 2005) zeigen auf, dass hochwertige und über 4 bis 6 Tage aerob stabile Silagen mit weniger als 2 % Trockenmasseverlusten erzeugt werden können.
Aus diesen Gründen verbietet sich eine generelle Empfehlung von Silierzusätzen.
Sollte allerdings aus betrieblichen Gründen eine frühe Siloöffnung notwendig und damit die empfohlene Mindestsilierdauer von 6 Wochen unterschritten werden, können Silierzusätze der DLG - Wirkungsrichtung 2 bzw. der Gruppe B - chemische Mittel (z. B. Mais Kofasil Liquid) zu einer deutlichen Verbesserung der dann sehr geringen aeroben Stabilität führen. Ohne den Einsatz dieser Mittel ist mit einem schnellen Verderb der unreifen Silagen durch massive Hefeentwicklung zu rechnen.
Wie die Tabelle zeigt, verlängert bereits die Aufwandmenge von 2,5 L je Tonne die aerobe Stabilität. Dieser Effekt wird aber deutlich abgeschwächt, wenn das Silo wie oben mehrere Tage offen steht. In diesem Fall führt nur die höhere Aufwandmenge von 5 L je Tonne zu einer ausreichenden Wirkungssicherheit.
Nicht-chemische Silierzusätze (Wirkungsrichtungen A, C, D) bewirken für den Einsatz bei Pressschnitzeln keine Verbesserung der Siliereigenschaften.

Melassezusatz

Soweit technisch lösbar, ist auch ein Zusatz von Melasse zu Pressschnitzeln möglich.
Damit wird einerseits der Zuckergehalt erhöht, andererseits steigen auch der TM-Gehalt und der Proteingehalt leicht an. Der Melassezusatz führt zu einer intensiveren Milchsäuregärung und zum Teil zu einer stärkeren pH-Wert-Absenkung in den Silagen.
Ein Melassezusatz erhöht den Energiegehalt in den Silagen jedoch nicht, da der zugeführte Zucker während der Gärung verbraucht wird.
Ein Zusatz von Melasse kann sich positiv auf die aerobe Stabilität der Silagen auswirken, da sich diese Silagen besser verdichten lassen und somit die Luft schneller verdrängt wird und zudem die Luft bei der Entnahme weniger stark in die Silage eindringt.
Die Dosierung der Melasse ist für eine erfolgreiche Silierung von besonderer Bedeutung: bewährt haben sich Melassezusätze in Höhe von 3 bis maximal 5 % (= 30 bis 50 kg / Tonne Pressschnitzel).
Zu hohe Einsatzmengen führen zu Problemen, da die Gefahr von Fehlgärungen steigt. Weiterhin sind die Silagen durch hohe Milchsäuremengen und nicht vergorene Restzuckermengen anfällig für Nachgärungen und Schimmelpilzbildung.

Problembehandlung

  Beobachtung  mögliche Ursache  Abhilfe sofort  Abhilfe zukünftig  
1.   Gelblich verfärbte Schnitzel im unteren Bereich des Silos, schmierige oder feuchte Konsistenz  keine ausreichende Abkühlung,
Silobefüllung zu hoch   
nicht notwendig, Verfütterung unproblematisch   Silomaße anpassen   
2.   Farbliche Übergänge/ Unterschiede  Silobefüllung über zu lange Zeitspanne; unterschiedlich
starkes Festfahren, seitliches Eindringen von Wasser   
solange die Silage nicht verdorben ist, kann weiter verfüttert werden   Silobefüllung optimieren, gleichmäßiges Festfahren sicherstellen, Folie an den Seiten überschlagen, damit kein Wasser eindringen kann   
3.   Schimmelbildung im oberen Bereich des Silos   Abdeckung unzureichend, Sauerstoffausschluss nicht ausreichend gewährleistet, Mängel in der Abdeckung, Beschädigungen der Folie (z.B. Vogelfraß)
Vorschub zu gering, Tieranzahl nicht ausreichend, bzw. Rationsanteil zu gering
Silierdauer zu kurz
unzureichende Verdichtung   
verdorbene Ware verwerfen, Vorschub deutlich erhöhen!
verfütterte Menge steigern   
DLG geprüfte Folie verwenden;
Folie mit Erde, Sandsäcken o.ä. beschweren;
Beschädigungen unverzüglich reparieren;
Schimmelherkunft klären (z.B. verschmutze Zwischenlagerplätze);
Silovorschub auf zu verfütternde Menge und Tierzahl abstimmen und Silogröße richtig wählen;
mindestens 6 Wochen Silierdauer einhalten   
  Schimmelbildung bei Beginn der Verfütterung im ersten Teil der Miete   Sauerstoffausschluß nicht ausreichend gewährleistet, bei Schlauchsilage Ventil zu spät geschlossen siehe oben;
nach Schnitzelentnahme Anschnittfläche mit Propionsäure behandeln (hat aber nur Oberflächenwirkung und kann Lufteintritt in den Silostock nicht stoppen!)   
Windrichtung bei Siloöffnung beachten, entgegen der Hauptwindrichtung öffnen!   
  Schimmelbildung als Sichel ca. 5 - 10 cm unter der Folie   zu lange mit dem Abdecken gewartet; oberste Schicht nicht genügend verdichtet    siehe oben  Schnitzel unverzüglich abdecken, evtl. zunächst mit dünner Baumarktfolie und dann mit DLG geprüfter Silofolie   
  Schimmelbildung direkt unter der Folie   Sauerstoffausschluss nicht gewährleistet, Folie beschädigt   siehe oben  Folienqualität beachten;
Abdeckung verbessern   
  Ballenförmiger Schimmel im Zentrum; bläulich-weißer Schimmel (Penicillium roqueforti)   Infektion bei der Mietenanlage;
Lagerstätte vorher nicht gereinigt und desinfiziert   
siehe oben  Lagerstätte sorgfältig auswählen und vorher gründlich reinigen und desinfizieren (auch die Umgebung!)   
  Große vereinzelte Schimmelnester im seitlichen und/oder oberen Bereich   Folie beschädigt   siehe oben  Folie regelmäßig auf Beschädigung kontrollieren; Vogelschutznetze verwenden;
Löcher unverzüglich abdichten und zukleben   
  Feuerrote Schimmelstellen  Pressschnitzel sind mit Kalk in Berührung gekommen   verdorbene Ware verwerfen, Vorschub erhöhen   auf Sauberkeit der Lagerstätte achten   
4.   Nachrutschende Schnitzel  Silo zu hoch (> 2m);
TM-Gehalt der Schnitzel zu gering (< 18 %)   
solange Silage nicht verdorben ist, kann weiter verfüttert werden   Silomaße beachten;
Silogröße dem täglichen Vorschub anpassen   
5.   Nacherwärmung  Vorschub zu gering; Tieranzahl nicht ausreichend bzw. Rationsanteil zu gering; Silierdauer zu kurz; Abkühlung unvollständig;
zu geringe Verdichtung vor allem bei hohem TM-Gehalt (>28 %)   
verfütterte Menge steigern (bis zu 25 kg /Kuh + Tag möglich!)   Silovorschub auf zu verfütternde Menge und Tierzahl abstimmen;
bei vorzeitiger Öffnung (Futterknappheit>) oder absehbar geringem Vorschub -> Verwendung eines chemischen Silierzusatzes   

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