Pflanzenschutz

Unkraut- und Ungräserbekämpfung in Zuckerrüben

Unkrautbekämpfung in Zuckerrüben

Mischverunkrautung (Foto: Autor)
Die Nachauflaufbehandlungen in Zuckerrüben haben sich als effektive, kostengünstige Möglichkeit zur Unkrautkontrolle bewährt.
Die Spritzungen erfolgen im Keimblattstadium der Unkräuter unabhängig von der Rübengröße.  In diesem Stadium können die meisten Unkrautarten gut bekämpft werden. Hierzu reichen reduzierte Aufwandmengen der Rübenherbizide für einen hohen Wirkungsgrad aus.
Durch die Kombination von Blatt- und Bodenherbiziden wird meist eine witterungsunabhängig gute Wirkung erzielt. Zusätzlich werden durch die Kombination der Wirkstoffe Wirkungslücken geschlossen.
Die erste NAK-Behandlung erfolgt meist kurz nach dem Auflaufen der Rüben mit einer Standard-Kombination aus Blatt- und Bodenherbizid z. B. Betanal Expert 1,0 - 1,25 l/ha + Goltix Gold 1,0 - 1,5 l/ha.
Bei den Mittelkombinationen sind Anpassungen an die aktuellen Witterungsbedingungen möglich. Unter trockenen Bedingungen wird die Mittelmenge des Blattherbizids erhöht. Bei feuchten Böden ist es sinnvoll die Bodenwirkstoffe in der höheren Menge einzusetzen.
Mit den Folgespritzungen müssen die neu aufgelaufenen Unkräuter sicher erfasst werden, weiterhin sollen Unkräuter, die durch die erste Spritzung nicht vollständig erfasst wurden, beseitigt werden. Die dritte Zielrichtung ist es ein Depot von Bodenwirkstoffen aufzubauen, das eine Spätverunkrautung verhindern soll.
Nach gelungener 1. NAK kann die Folgespritzung (2. NAK) beim Auflaufen der neuen Unkräuter mit der Standard-Kombination erfolgen.
Starke Verunkrautung (Foto: Autor)
War die Wirkung der 1. NAK nicht vollständig ausreichend ist die Ergänzung der Standard-Kombination um Debut oder Spectrum oder Lontrel zu empfehlen. Welches der genannten Produkte die sinnvollste Ergänzung ist, hängt von der vorhandenen Verunkrautung ab. Entscheidend ist, dass nach der letzten NAK alle aufgelaufene Unkräuter beseitigt wurden. Unkrautpflanzen, welche nur "angekratzt" wurden, können sich wieder erholen und als Spätverunkrautung Probleme bereiten. Durch die Bodenwirkstoffe soll die Zeitspanne zwischen letzter Herbizidbehandlung und Reihenschliessen abgedeckt werden, um den Neuauflauf von Unkräutern möglichst gering zu halten. 

Gräserbekämpfung

Der beste Behandlungstermin liegt zwischen dem 3-Blatt-Stadium und Bestockungs- beginn der Gräser. Wichtig ist, dass möglichst alle Ungräser aufgelaufen sind, da keines der Gräserherbizide über eine Bodenwirkung verfügt.
Der zeitliche Abstand zur Unkrautbehandlung sollte in der Regel etwa 3 Tage betragen. Die Unkrautbekämpfung hat vor der Grasbekämpfung immer Vorrang. Falls die Gräser durch die Unkrautherbizide stark "angeschlagen" wurden, sollte mit dem Einsatz der Grasherbizide bis zum Wiederaustrieb der Gräser gewartet werden.
Die Gräserherbizide unterscheiden sich in Wirkungsbreite und -geschwindigkeit nur geringfügig.
Bei flächigem Auftreten von Gräsern kann die Tankmischung mit Unkrautherbiziden eingesetzt werden. In diesen Fällen wird die zweimalige Behandlung mit jeweils etwa 50 % der üblichen Aufwandmenge des Gräserherbizids empfohlen. Zur Tankmischung von Unkraut- und Grasherbizid keine weiteren Zusätze (Öl, Debut/Safari, Lontrel, Spectrum) hinzufügen. Der Spritztermin wird immer von den Unkräutern bestimmt.   
Keine Anwendung der Tankmischungen bei:  
  • geschwächten Rüben,
  • Frostgefahr, 
  • geringer Wachsschicht.
Disteln werden mit Lontrel 100 bei einer Wuchshöhe von ca. 15 - 20 cm gut erfasst. Es ist darauf zu achten, dass noch keine Blütenknospen gebildet wurden. Bei starkem Distelbesatz hat sich die Splittingspritzung von 2 mal 0,6 l/ha Lontrel 100 (plus 1,0 l/ha Öl) bei einer Wuchshöhe von 10 cm bewährt. Die Wirkung wird durch wüchsige Witterung gefördert.

Zusatzstoffe

Zur Verstärkung der Herbizidwirkung (Blattwirkung) wird besonders bei lösungsmittelfreien Formulierungen der Zusatz von Öl empfohlen. Bei einigen Produkten ist das Öl bereits in der Verkaufspackung enthalten. Ansonsten sind im Markt erhältliche Zusatzstoffe zu verwenden.
Harald Bauer (Arbeitsgemeinschaft Zuckerrübe Südwest)

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