Ergebnisse aus den Bodenbearbeitungsversuchen

Ergebnisse und Erfahrungen aus langjährigen Bodenbearbeitungsversuchen zu Zuckerrüben in Großparzellen

1. Einleitung

Bodenbearbeitungsverfahren zu Zuckerrüben, in denen auf den Einsatz des Pfluges verzichtet wird, finden zunehmend Eingang in die Praxis. Ausgangspunkt dafür waren Bodenerosionsschäden in Reihenkulturen, speziell Mais und Zuckerrüben, die erhebliche Ertragsverluste zur Folge hatten. Besonders in hängigem Gelände und auf Böden mit hoher Verschlämmungsneigung verbreitete sich deshalb in den letzten zehn Jahren zunehmend das Anbauverfahren „Mulchsaat“, mit dem diesen Problemen entgegengewirkt wird. Die Diskussion um optimal angepasste Bearbeitungsverfahren zu Zuckerrüben ist heute aktueller denn je. Neben ökologischen Vorteilen sind es zunehmend ökonomische Zwänge, die den Einsatz wendender Bodenbearbeitungsgeräte, z. B. dem Pflug, in Frage stellen.

2. Langzeit-Bodenbearbeitungsversuche zur Erkenntnisgewinnung

Um ökologische und ökonomische Auswirkungen verschiedener Bodenbearbeitungssysteme zu untersuchen, führt der Geschäftsbereich Landwirtschaft der Südzucker AG Offenau, in Zusammenarbeit mit dem Institut für Zuckerrübenforschung in Göttingen, seit 1990 großflächige Bodenbearbeitungsversuche durch. Auf insgesamt acht Standorten in Deutschland werden vier verschiedene Bodenbearbeitungsverfahren auf Großparzellen (3 bis 10 ha pro Variante) nebeneinander auf einem Schlag geprüft.

Parzelle Pflug (P)

Wendende, intensive Bodenbearbeitung mit dem Pflug.

Parzelle Locker (L)

Nichtwendende Bodenbearbeitung mit Grubber und Tiefenlockerung bis zu 25 cm Tiefe.

Parzelle Mulch (M)

Nichtwendende konservierende Bodenbearbeitung mit Grubber, Scheibenegge oder Spatenrollegge bis zu einer Tiefe von 10 cm.

Parzelle Direktsaat (D)

In der Direktsaat-Parzelle erfolgt keinerlei Bodenbearbeitung zu Getreide. Zu Zuckerrüben erfolgt vor der Aussaat ein flache Bearbeitung, um den Auflauf der Zuckerrüben zu verbessern.

3. Ökologische Erkenntnisse

Die ökologischen Erkenntnisse aus diesen Versuchen stellen sich wie folgt dar:
Die Bodenerosion vermindert sich mit abnehmender Intensität der Bodenbearbeitung. In den Varianten „nicht wendende Bodenbearbeitung“ und „Direktsaat“ ist auch bei starken Gewitterregen kaum bzw. kein Bodenabtrag feststellbar.
Die Tragfähigkeit der Böden stabilisiert sich mit abnehmender Bearbeitungsintensität. Speziell bei der Zuckerrübenernte, unter feuchten Bedingungen, zeigen sich deutliche Vorteile der nicht wendenden Bodenbearbeitungsvarianten gegenüber der Pflugvariante. Die Belastung des Bodens durch Überfahrten bei der Bodenbearbeitung wird um bis zu 60 % reduziert.
Die Stickstoffverlagerung ist bei den vier Varianten sehr unterschiedlich. So zeigt die Direktsaat-Variante eine deutlich geringere Stickstoffverlagerung gegenüber den anderen drei Bodenbearbeitungsvarianten.
Die Bodenlebewesen nehmen bei Verringerung der Bodenbearbeitungsintensität stark zu.

4. Ökonomische Erkenntnisse

Im Mittel der Erntejahre 1994 – 2006 erzielten die Verfahren folgende Ergebnisse:

5. Ackerbauliche Besonderheiten

Auszählungen in Bezug auf Bodenlebewesen haben ergeben, dass z. B. der Regenwurmbesatz in den nicht wendenden Varianten und der Direktsaat-Parzelle deutlich höher ist als in den konventionell bearbeiteten Flächen.
Eine Verschiebung im Unkraut- und Ungrasbesatz ist zu beobachten. Die Mittelauswahl bei den Herbiziden ist dem jeweiligen Unkrautbesatz anzupassen. Der Einsatz von nicht selektiven Herbiziden muss in der Fruchtfolge bei nicht wendender Bodenbearbeitung gezielt erfolgen, um hartnäckige Unkräuter, Ungräser und Ausfallgetreide zu entfernen. Die grüne Brücke muss unterbrochen werden.
Eine Befallsdifferenzierung von Pilzkrankheiten konnte bisher noch nicht exakt definiert werden, da diese von mehreren ackerbaulichen Parametern, wie Fruchtfolge, Sortenwahl, etc., abhängig sind.

6. Technische Erkenntnisse

Die Technik der Bodenbearbeitung und Saat für die Varianten „Mulch“ und „Locker“ ist mittlerweile ausgereift. Lediglich bei feuchten Bodenverhältnissen und größeren Mengen an organischer Masse treten Schwierigkeiten bei der Einbettung der Zuckerrübenpille auf.
Bei der Variante „Direktsaat“ ist eine Ablage des Saatguts bei Zuckerrüben ohne eine leichte Bodenbearbeitung vor der Aussaat bisher nicht optimal möglich. Technische Veränderungen in der Aussaattechnik, wie bei Getreide bereits erfolgt, werden hier in den nächsten Jahren notwendig werden.

7. Zusammenfassung

Mit den Ergebnissen und Erfahrungen aus den mittlerweile über 16 Jahre laufenden Großflächenversuchen wurde deutlich aufgezeigt, dass Veränderungen bei der Bodenbearbeitung abhängig sind von der zum Einsatz kommenden Technik und dem Betriebsleiter-Wissen. Die uns bereits vorliegenden ökologischen und ökonomischen Ergebnisse pflugloser Bodenbearbeitungssysteme zu Zuckerrüben sind insgesamt sehr positiv. Mit pfluglosen Bodenbearbeitungssystemen konnte die Bodenerosion weitestgehend eingedämmt werden.
Bei der Umstellung des Bodenbearbeitungssystems muss sich der Landwirt darauf einstellen, dass eine exaktere Handhabung der einzelnen Arbeitsschritte, angefangen bei einer guten Strohverteilung, erfolgen muss. Nicht allein die Technik ist entscheidend, sondern das Wissen um den Boden und den Standort ist mehr und mehr gefragt. Die deutlichen Einsparungspotentiale bei den Kosten (Technik, Diesel, Arbeitszeit) dürfen nicht durch sinkende Erträge wieder aufgebraucht werden.